MdL Franc Dierl (l.) und Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich im Richard-Wagner-Museum: Für beide gehören Museum und lebendige Musikkultur untrennbar zusammen.
Bayreuth. Die diesjährigen Bayreuther Festspiele sind zu Ende gegangen und mit ihnen ein besonderes Jubiläumsjahr: 150 Jahre Bayreuther Festspiele haben eindrücklich vor Augen geführt, welche kulturelle Strahlkraft diese Stadt weltweit besitzt.
In diesem Rahmen besuchte kürzlich der Bayreuther Landtagsabgeordnete Franc Dierl (CSU) gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich das Bayreuther Museumsdreieck mit Richard-Wagner-, Jean-Paul- und Franz-Liszt-Museum. Gleich zu Beginn kam ein umstrittenes Thema zur Sprache: der jüngste Beschluss des Bayreuther Stadtrates zum Chamberlain-Haus, das nach finaler Abstimmung kein NS-Dokumentationszentrum und damit kein Ort der Aufarbeitung werden soll. „Eine nachhaltige Perspektive für diesen historisch bedeutsamen Ort ist jedoch wichtig, sowohl für die Erinnerungskultur als auch für die weitere Entwicklung der Bayreuther Museumslandschaft", sagte Dierl, der im Bayerischen Landtag dem Ausschuss für Wissenschaft und Kunst angehört.
Beim Rundgang wurde deutlich, dass sowohl das Franz-Liszt-Museum als auch das Jean-Paul-Museum dringend sanierungsbedürftig sind. Besonders das Jean-Paul-Museum im ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers und fanatischen Rassentheoretikers Houston Stewart Chamberlain bedürfe einer grundlegenden Sanierung. Ursprünglich hatte die Stadt geplant, das Haus zu einem NS-Dokumentationszentrum umzugestalten und das Jean-Paul-Museum an einen anderen Ort zu verlagern, obwohl es erst 2013 vollständig neu gestaltet worden war. Laut Friedrich verzeichnet das Haus lediglich 2.000 Besucher pro Jahr, obwohl es die bedeutendste Privatsammlung zu Jean Paul beherbergt. Die Bibliothek Chamberlains mit rund 20.000 Bänden, die sich einst im Obergeschoss befand, wurde mittlerweile ausgelagert.
Auch das Franz-Liszt-Museum müsse dringend renoviert werden, bekräftigte Friedrich. Sein Ziel ist es, die bislang auf das Erdgeschoss beschränkte Sammlung auf zwei Stockwerke auszuweiten. In dem Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa Wahnfried war Franz Liszt am 31. Juli 1886 verstorben.
Ein Museumsbesuch gehöre heute nicht mehr automatisch zum Pflichtprogramm für Touristen und Festspielbesucher, räumte Friedrich ein. Gleichwohl reisten manche Gäste von weit her eigens an – so zuletzt aus Santiago de Chile –, um die Festspiele und die Villa Wahnfried zu erleben. Traditionen und Rituale rund um Richard Wagner seien für viele Besucher nach wie vor von zentraler Bedeutung. Deshalb sollte sich Bayreuth auf seine DNA besinnen: „Die Menschen kommen weltweit hierher, weil sie hier an der Quelle des sogenannten Mythos sind", so der Museumsdirektor.
Das in wenigen Tagen stattfindende Festival „Bayreuth Baroque" im Markgräflichen Opernhaus sei eine wunderbare Ergänzung zu Wagner und seinen Festspielen, befand Dierl. Er setzt sich dafür ein, dass Bayreuth nicht nur während der Festspielzeit kulturell glänzt, sondern ganzjährig ein erstklassiges Angebot bereithält. Vor diesem Hintergrund reagierte er mit Unverständnis auf die Kritik des Obersten Rechnungshofs am Konzertprogramm im Haus Wahnfried. Das Haus sei zwar ein Museum, doch die dort aufgeführte Musik stehe in unmittelbarem inhaltlichem Bezug dazu, und genau das sei gewollt. „Dieses Konzept ist stimmig und äußerst attraktiv für Kulturinteressierte", betonte der Abgeordnete.
Bei der Besichtigung des Richard-Wagner-Museums, das im Jubiläumsjahr zugleich sein 50-jähriges Bestehen feiert, besuchte Dierl auch den 2015 fertiggestellten und anfangs umstrittenen Erweiterungsbau. Es sei die absolut richtige Entscheidung gewesen, dieses Projekt zu realisieren, so Friedrich – wenngleich nach zehn Jahren aufgrund der hohen Besucherfrequenz bereits wieder einiges renovierungsbedürftig sei.
Ein Hauch von Biennale weht noch bis Oktober durch die Villa Wahnfried: Im Untergeschoss ist die Videoinstallation „Swanhood" von Felix Burger zu sehen, ergänzt durch Werke von Wagner-Ur-Urenkel Antoine Wagner sowie Installationen von Georg Nussbaumer im Park. „Wir wollen dabei nicht nur auf eine Retrospektive setzen, sondern Wagner auch in den Kontext zu zeitgenössischer Kunst setzen", erläutert Friedrich das Konzept.

150 Jahre Bayreuther Festspiele, 50 Jahre Richard-Wagner-Museum: Landtagsabgeordneter Franc Dierl (l.) ließ sich von Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich durch „Haus Wahnfried“ führen, die ehemalige Wohnstätte Richard Wagners, die heute zu den bedeutendsten Kulturstätten Bayerns zählt.
Bayreuth, 01.09.2026
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