„Displaced Persons“: Jüdisches Leben im Land der Täter – Überleben, Neubeginn, Erinnerung

MdL Franc Dierl initiierte hochkarätige Diskussion über ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte

19.05.2026 | MdL Franc Dierl | Bayreuth
Zum Gespräch über „Displaced Persons“ (von links): Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, Moderator Thomas Brüggemann, MdL Franc Dierl, der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Felix Gothart.
Zum Gespräch über „Displaced Persons“ (von links): Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, Moderator Thomas Brüggemann, MdL Franc Dierl, der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Felix Gothart.

Ausgerechnet im Land der Täter fanden sie vorübergehend Schutz: Hunderttausende jüdische Flüchtlinge, die nach dem zweiten Weltkrieg nicht in ihre ost- und mitteleuropäischen Heimatländer zurückkehren konnten. Diesem vergessenen Kapitel der Nachkriegsgeschichte hat der Bayreuther Landtagsabgeordnete Franc Dierl (CSU) im Rahmen der Reihe „Im Gespräch …“ einen Themenabend im neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum gewidmet. Unter dem Motto „Jüdische Displaced Persons in Bayern und Bayreuth“ erinnerte der Politiker im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit dem Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, dem früheren bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und dem oberfränkischen Heimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold an die Menschen, für die die amerikanische Besatzungszone für wenige Jahre zum Aufenthaltsort wurde.

„Displaced Persons“, das sei schon ein eigenartiger Begriff, sagte Ludwig Spaenle. Genau vor 80 Jahren, im Januar 1946 hätten sich in München die Vertreter der „Displaced Persons“ getroffen, die das Morden überlebt hatten. „Sie wollten in ihre Heimat zurück, konnten aber nicht.“ Über 100.000 Menschen seien in die amerikanische Besatzungszone ausgewandert, ausgerechnet in das Land ihrer Mörder. Der spätere erste israelische Ministerpräsident David Ben Gourion habe damals erstmals die Idee eines israelischen Staates öffentlich vorgestellt. Damit sei ein Teil des Fundamentes des israelitischen Staates auf bayerischem Boden gegründet worden. 

Die Zeit bis zur geplanten Auswanderung nach Palästina, in die USA oder andere Länder mussten die jüdischen Flüchtlinge hier überbrücken. In Displaced-Persons-Lagern organisierten sie auch in Bayreuth und Umgebung ein reiches Gemeinschaftsleben mit Betstuben, Schulen, Lehrstätten, Theatern, Orchestern und einer eigenen Fußballliga. 

Der Antisemitismusbeauftragte schlug aber auch einen Bogen in die Gegenwart. Heute würden hierzulande wieder jüdische Menschen verfolgt. Es könne und dürfe nicht angehen, dass Menschen für die Politik der israelischen Regierung hier in Mithaftung genommen werden. „Wir müssen wachsam sein und wissen, was war“, so Ludwig Spaenle.

Auch Landtagsabgeordneter Franc Dierl rief dazu auf, die „Displaced Persons“ als Anlass zu nehmen, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. „Wir müssen den jungen Menschen erzählen, wie es damals war“, sagte er vor dem Hintergrund zunehmender Rechtstendenzen, wachsendem Radikalismus und Antisemitismus. Er sei durch eine Reportage des Bayerischen Rundfunks auf das Thema gestoßen. „Ein Thema, dem wir mehr Beachtung schenken müssen“, so Franc Dierl. Es sei ein ganz wichtiger Auftrag für jetzige Generationen, die Geschichte weiter zu vermitteln.  

Es gehe darum, das Gedenken zu pflegen und die Erinnerung zu bewahren, sagte der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Dippold. Er sprach von 28 Kibbuzim und 30 Kultusgemeinden in Franken, wobei ein Schwerpunkt im Landkreis Bayreuth liege. Günter Dippold erinnerte aber auch daran, dass in den „Displaced-Persons-Lagern“ bei weitem nicht nur Juden untergebracht waren, sondern auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und sogar Kollaborateure. Diese Situation sei gerade für die jüdischen „Displaced Persons“ unerträglich gewesen, zumal die Lager zunächst gefängnisähnlich waren, erst später seien sie komplett neu strukturiert worden. 

Felix Gothart, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth und Hausherr des neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums hatte in seiner Begrüßung daran erinnert, dass auch seine Eltern „Displaced Persons“ waren. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Dr. Thomas Brüggemann, dem 2. Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bayreuth-Oberfranken. Mit Werken von Franz Schubert, Robert Schumann und Franz Liszt sorgte der Pianist Arman Depperschmidt, Student an der Nürnberger Musikhochschule, für die hochkarätige musikalische Umrahmung.


Thomas Brüggemann (links) leitete die Gesprächsrunde mit (von rechts) dem Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle, Landtagsabgeordneten Franc Dierl und Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.


Im neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum stand das vergessene Kapitel der „Displaced Persons“ im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung des Bayreuther Landtagsabgeordneten Franc Dierl.

 

Bayreuth, 19.05.2026

 

Ansprechpartnerin:

Stefanie Finzel

Persönliche Referentin

 

Franc Dierl, MdL

Abgeordnetenbüro Bayreuth

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