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Kooperation statt Konfrontation – Keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme

Auf Einladung von MdL Franc Dierl diskutieren Fachleute über Schäden durch Wölfe und Fischotter

Bayreuth, 27.10.2026, 14:50 Uhr | MdL Franc Dierl | Termine

Die Diskutanten (v.l.): LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer, Landwirt Norbert Böhmer, die Landtagsabgeordneten Alexander Flierl und Franc Dierl, Teichwirt Wolfgang Veigl, Dr. Michael Schmidt, Amt für Landwirtschaft und Jonathan Ehrmann, Uni Bayreuth.Die Diskutanten (v.l.): LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer, Landwirt Norbert Böhmer, die Landtagsabgeordneten Alexander Flierl und Franc Dierl, Teichwirt Wolfgang Veigl, Dr. Michael Schmidt, Amt für Landwirtschaft und Jonathan Ehrmann, Uni Bayreuth.

Bayreuth. Naturschützer jubeln, Landwirte sind verzweifelt: Wolf, Fischotter und andere Wildtiere kehren zunehmend in unsere Kulturlandschaft zurück. Einfache Lösungen gibt es nicht, das wurde bei einer Podiumsdiskussion, die der Bayreuther Landtagsabgeordnete Franc Dierl (CSU) im Rahmen seiner Gesprächsreihe „Franc Dierl: Im Gespräch…“ am Montagabend in der Sportheimgaststätte des BSC Saas in Bayreuth veranstaltet hatte, deutlich. Es wurde aber auch klar, dass beide Seiten besser miteinander, statt übereinander reden sollten. Dann könne man auch Lösungen finden.

Franc Dierl sah einleitend vor allem die Gefahr, dass immer mehr Landwirte und Teichwirte kapitulieren. Doch sie lieferten wertvolle Lebensmittel aus der Region. „Wir kämpfen nachdrücklich für einheimische Lebensmittel“, sagte der Abgeordnete vor weit über 100 Zuhörern im vollbesetzten Vereinsheim. Auch ihm sei der Karpfen aus der Region viel lieber als das Pangasiusfilet aus dem Supermarkt. Aber auch wenn der Fischotter ein nett aussehendes und possierliches Tierchen sei, für die Teichwirte, stelle er ein Riesenproblem dar. Der Abgeordnete bedauerte die große Unwissenheit, die in weiten Teilen der Bevölkerung vorherrsche, darum plädierte er dafür, über den heutigen Abend hinaus, miteinander ins Gespräch zu kommen. Franc Dierl sagte aber auch: „Es wird keine Lösung geben, die alle gleichermaßen zufrieden stellt.“

In der Diskussion ging es einmal um den Wolf, das andere Mal um den Fischotter. Was alles nötig ist, um den Wolf fernzuhalten, machte Norbert Böhmer, Vollerwerbslandwirt aus Schrenkersberg deutlich. Er hat über 45 ha Weidefläche eingezäunt, was eine einfache Zaunlänge von rund 21 km bedeutet. Die Zäune müssten regelmäßig gemäht werden, andernfalls fließe kein Strom mehr, der den Wolf abschrecken soll. Die Zaunanlagen in dem teilweisen sehr unzugänglichen Gelände regelmäßig frei zu schneiden, koste zwischen 50.000 und 80.000 Euro pro Jahr. Das sei nicht zu stemmen. Norbert Böhmer stellte unmissverständlich klar: „Als Nutztierhalter bin ich kein Wolfsfreund.“

Was dem Mutterkuhhalter der Wolf ist dem Teichwirt der Fischotter. Wolfgang Veigl, Teichwirt aus Kemnath bewirtschaftet 55 Teiche in drei Anlagen mit zusammen 70 Hektar Wasserfläche. Diese alle einzuzäunen, würde pro Anlage rund eine Million Euro kosten, rechnete er vor. Demnach hätte er das gleiche Problem wie Landwirt Norbert Böhmer, denn auch seine unter Strom stehenden Zäune gegen den Fischotter müssten regelmäßig freigeschnitten werden. Für Wolfgang Veigl stand ganz klar fest: „Ohne Reduzierung der Otterpopulation wird die Teichwirtschaft nicht überleben.“

Damit Landwirtschaft und Naturschutz zukünftig besser in Einklang zu bringen seien, müssten die jeweiligen Ziele, Interessen und Folgen offen benannt und kommuniziert werden, sagte Jonathan Ehrmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth am Lehrstuhl für Störungsökologie. Er plädierte dafür, frühzeitig alle Seiten mit einzubeziehen und sämtliche Kriterien vorher abzustimmen. „Manchmal hilft es auch, sein Ego ein bisschen zurückzustellen“, so Jonathan Ehrmann.

Die größte Herausforderung sei es dabei, möglichst sachlich zu bleiben, sagte Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern. Wenn in der Erwerbsteichwirtschaft der Nachweis für Schäden erbracht wird, dann seien auch Entnahmen für den LBV kein Tabu.

Auch der Landtagsabgeordnete Alexander Flierl (CSU) aus Schwandorf, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz im Bayerischen Landtag und BJV-Bezirksvorsitzender Oberpfalz, nannte es eine echte politische Herausforderung, zwischen den beiden Polen zu vermitteln. Für die einen seien Wolf und Fischotter die Ikonen des Artenschutzes, für die anderen sind sie die Geißeln der Kulturlandschaft. Um einen Ausgleich zu finden, benötige man jede Menge Zahlen, Daten und Fakten. Was denn Fischotter angeht, sei die Oberpfalz ein Hotspot, so Alexander Flierl, der auch 1. Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberpfalz ist. Seine Teichwirte melden teilweise bis zu 90 Prozent Ausfälle. Damit sei der Fischotter eine echte wirtschaftliche Existenzbedrohung für die Betriebe. „Wenn wir die Teich- und Weidewirtschaft erhalten wollen, brauchen wir Entnahmen“, so der Abgeordnete.

Zumindest bei den Wolfspräventionsmaßnahmen sei man schon sehr weit, so Dr. Michael Schmidt, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg. Er sprach von 50-60 Beratungsgesprächen pro Jahr in seiner Behörde und von 600.000 Euro, die zuletzt pro Jahr für Präventionsmaßnahmen ausbezahlt wurden.
 

Landtagsabgeordneter Franc Dierl (Mitte) hatte mit Behördenleiter Dr. Michael Schmidt vom Amt für Landwirtschaft und Teichwirt Wolfgang Veigl (von links) sowie Landwirt Norbert Böhmer und Dr. Norbert Schäffer vom LBV (von rechts) Experten zu Wolfs- und Otterschäden eingeladen.

Landtagsabgeordneter Franc Dierl (Mitte) hatte mit Behördenleiter Dr. Michael Schmidt vom Amt für Landwirtschaft und Teichwirt Wolfgang Veigl (von links) sowie Landwirt Norbert Böhmer und Dr. Norbert Schäffer vom LBV (von rechts) Experten zu Wolfs- und Otterschäden eingeladen.

Frühzeitig alle Seiten in die Diskussion einzubeziehen, dafür plädierte Jonathan Ehrmann (links) von der Universität Bayreuth. Mit im Bild: Die beiden Landtagsabgeordneten Franc Dierl und Alexander Flierl.